Nordsee-Fischer als Drogenschmuggler: "Urk hat ein Problem"

Urk in den Niederlanden ist ein beschauliches Städtchen, bewohnt von konservativen Christen. Was brachte drei Fischer dazu, im Auftrag krimineller Schmuggler Kokain im Wert von 6,5 Millionen Euro an Land zu bringen?


Urk liegt an der niederländischen Küste, eine kleine Fischerstadt mit malerischem Hafen. In Urk scheint die Welt noch so zu sein, wie sie früher einmal auch anderswo war: Rund 95 Prozent der 20.000 Einwohner des Städtchens am Ijsselmeer sind gläubige Protestanten, die meisten sehr konservativ. Eine Folge: Die Geburtenrate ist mit 3,2 Kindern pro Frau eine der höchsten in den Niederlanden.


Doch etwas ist aus den Fugen geraten im konservativen Urk. In den Niederlanden stehen derzeit drei Männer vor Gericht, drei Fischer aus Urk. Ihnen wird zur Last gelegt, im Sommer 2017 Kokain im Wert von 6,5 Millionen Euro geschmuggelt zu haben, insgesamt 261 Kilogramm, berichtet der britische "Guardian".

Die Männer sollen laut Anklage das Kokain vor der Küste von einem Containerschiff auf ihr Boot namens "Z181" übernommen und ins Land gebracht haben. Geholfen habe ihnen dabei ein niederländischer Mittelsmann mit pakistanischen Wurzeln sowie ein Krimineller aus Montenegro.

Einer der drei Fischer hat ein Geständnis abgelegt. Er habe 300.000 Euro bekommen, sei aber auch massiv unter Druck gesetzt worden. Seine Familie sei von den Hintermännern des Kokainschmuggels bedroht worden.

Laut Ankläger Koos Plooij profitierten die Schmuggler davon, dass die Bevölkerung von Urk besonders verschlossen gegenüber Fremden ist. Die traditionelle Verschwiegenheit der Gemeinde habe die Täter geschützt. Es bereite ihm Sorge, dass "legale Fischerei sich mit internationalem Drogenschmuggel vermischt", so Plooij vor Gericht. Und: "Urk hat ein Problem."

Möglicherweise könnten finanzielle Probleme die Fischer in die Kriminalität getrieben haben, spekuliert Marianna Heida, Sprecherin des Bürgermeisters. "Der Fischerei ging es schlecht, die Kredite waren schlecht, die Kriminellen gingen auf die Fischer zu und sagten: Hier, tut etwas für uns", sagte Heida dem "Guardian".

Anmerkung der Redaktion: Es wurde korrigiert, dass Urk am Ijsselmeer und nicht an der Nordsee liegt.